Gesundheitsdaten im Netz


Die E-Health Strategie in der Schweiz

Was ist E-Health?

Gemäss dem Bundesamt für Gesundheit ist unter E-Health der „integrierte[n] Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) zur Gestaltung, Unterstützung und Vernetzung aller Prozesse und Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Gesundheitswesen“ zu verstehen. (Bundesamt für Gesundheit – BAG, Strategie e-Health Schweiz, 27.6.2007, S. 2)

Die Ausgangslage für die E-Health-Strategie in der Schweiz bildet die im Januar 2006 vom Bundesrat revidierte Strategie für eine Informationsgesellschaft der Schweiz (www.infosociety.ch). Neu in diese Strategie aufgenommen wurde das Kapitel „Gesundheit und Gesundheitswesen“. Die Ziele von E-Health vom Bundesrat sind „der Schweizer Bevölkerung den Zugang zu einem bezüglich Qualität, Effizienz und Sicherheit hoch stehenden und kostengünstigen Gesundheitswesen zu gewährleisten“. (Bundesamt für Gesundheit – BAG, Strategie e-Health Schweiz, 27.6.2007, S. 2)

Die Vision dieser Strategie lautet:
„Die Menschen in der Schweiz können im Gesundheitswesen den Fachleuten ihrer Wahl unabhängig von Ort und Zeit relevante Informationen über ihre Person zugänglich machen und Leistungen beziehen. Sie sind aktiv an den Entscheidungen in Bezug auf ihr Gesundheitsverhalten und ihre Gesundheitsprobleme beteiligt und stärken damit ihre Gesundheitskompetenz. Die Informations- und Kommunikationstechnologien werden so eingesetzt, dass die Vernetzung der Akteure im Gesundheitswesen sichergestellt ist und dass die Prozesse qualitativ besser, sicherer und effizienter sind.“ (Bundesamt für Gesundheit – BAG, Strategie e-Health Schweiz, 27.6.2007, S. 3)

Durch E-Health soll das schweizerische Gesundheitssystem effizienter werden, die Fehleranfälligkeit des jetzigen föderalistisch und kleingewerblich organisierten Gesundheitswesens sollen mittels durchgängigen elektronischen Prozessen reduziert und es soll ein neuer Dienstleitungssektor entstehen, durch welchen nicht nur das Gesundheitswesen optimiert sondern auch die Wirtschaft gefördert werden soll. (Bundesamt für Gesundheit – BAG, Strategie e-Health Schweiz, 27.6.2007, S. 2)

In der E-Health Strategie wird die Informationssicherheit und der Datenschutz als sehr wichtig angesehen und mit höchster Priorität betitelt. Denn die Bearbeitung von medizinischen Daten ist ein Eingriff in die Grund- und Persönlichkeitsrechte der Patientinnen und Patienten. Dieser Eingriff muss legitim sein und daher müssen rechtliche, organisatorische und technische Massnahmen getroffen werden, welche das Vertrauen der Patientinnen und Patienten gegenüber diesen elektronischen Daten über ihren Gesundheitszustand wesentlich beeinflussen werden. (Bundesamt für Gesundheit – BAG, Strategie e-Health Schweiz, 27.6.2007, S. 3)

Die drei Handlungsfelder der Strategie e-Health

Das Handlungsfeld „elektronisches Patientendossier“ hat zum Ziel, dass bis im Jahr 2015 das elektronische Patientendossier in der Schweiz eingeführt ist. In diesem Dossier werden nur die für eine medizinische Behandlung relevanten Daten einer Person elektronisch gesammelt. Unter medizinisch relevante Daten fallen beispielsweise die Krankenakte, Laborberichte, Operationsberichte, Röntgenbilder und andere wichtige digitale Daten von weiteren Untersuchungen. Über eine elektronische Karte (persönliche Gesundheitskarte) kann auf das elektronische Patientendossier zugegriffen werden. (TA-Swiss – Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung, Informationsbroschüre „Unsere Gesundheitsdaten im Netz, E-health publifocus und elektronisches Patientendossier“, 2008, S. 9)

Im Handlungsfeld „Online-Dienste“ geht es um die Bündelung von Gesundheitsinformationen für die Patientinnen und Patienten. Die Informationsflut im Gesundheitsbereich soll bekämpft und die gesicherte Qualität, die Aufbereitung und die Struktur dieser Informationen soll erreicht werden. (Bundesamt für Gesundheit – BAG, Strategie e-Health Schweiz, 27.6.2007, S. 5) Vorgesehen ist ein Gesundheitsportal, in welchem gesundheitsbezogene Internet-Angebote zusammengeführt und mit dem elektronischen Patientendossier verknüpft werden. Durch die Verknüpfung soll es möglich sein, online spezifische Information abzurufen. (TA-Swiss – Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung, Informationsbroschüre „Unsere Gesundheitsdaten im Netz, e-health publifocus und elektronisches Patientendossier“, 2008, S. 6)

Den Rahmen bildet das Handlungsfeld „Umsetzung der Strategie“. Festgehalten sind hier beispielsweise die nationale Koordination und die Schaffung von rechtlichen Grundlagen und Themen wie der „Einbezug der Forschung“, die „Aus- und Weiterbildung von Fachpersonen“ oder die „Massnahmen für die Bevölkerung“. Bund und Kantone müssen zusammenarbeiten, da der Bund im Gesundheitswesen über zu wenige Kompetenzen verfügt. Weiter müssen gesetzliche Grundlagen von Bund und Kantonen geschaffen und offene rechtliche Fragen beantwortet werden, welche mit der Umsetzung der drei Handlungsfelder zusammenhängen. (Bundesamt für Gesundheit – BAG, Strategie E-Health Schweiz, 27.6.2007, S. 7 – 8 )

Reaktionen auf die E-Health-Strategie

Die Strategie wird von Kantonen befürwortet. Konsumenten- und Patientenverbände stehen der Strategie eher kritisch gegenüber. Sie verlangen, dass bei der Umsetzung in erster Linie die Bedürfnisse und Möglichkeiten der betroffenen Menschen berücksichtigt werden. Die positiven Wirkungen von E-Health auf die Kosten im Gesundheitswesen werden von den Versicherern angezweifelt. Die Leistungserbringer wie Ärzte und Spitäler befürchten einen erhöhten administrativen Aufwand und stehen der Strategie eher skeptisch gegenüber. Dies auch weil die qualitativen Anforderungen an das elektronische Dossier sehr hoch sind und weil mit dem elektronischen Dossier ihr Handeln transparenter, rückverfolgbar und rekonstruierbar wird. (TA-Swiss – Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung, Informationsbroschüre „Unsere Gesundheitsdaten im Netz, e-health publifocus und elektronisches Patientendossier“, 2008, S. 6)

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